Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können.

Die Website des Digital Independence Day drückt es recht dramatisch aus. Aber die Initiatoren des Projekts liegen damit nicht unbedingt falsch. Und selbst wenn man nicht gleich die gesamte Freiheit in Gefahr sieht, ist es in jedem Fall eine gute Idee, weitere Möglichkeiten neben den Angeboten der “Großen” im Repertoire zu haben - und sei es nur, um nicht auf das “one size fits everbody”-Angebot von Google, Microsoft, Apple & Co. festgelegt zu sein.

Welche Alternativen es bei Webbrowsern, Suchmaschinen, E-Mail-Anbietern oder dem universellen Gemischtwartenladen Amazon gibt, zeigen die Rezepte auf der Projekt-Website. Dieser Blogbeitrag soll eine Alternative in einem weiteren Bereich kurz vorstellen, nämlich beim Erfassen und Verwalten von Notizen.

Dazu haben die “Großen” natürlich auch etwas im Angebot, beispielsweise OneNote von Microsoft oder Google Keep. Solche Angebote können aber zum Beispiel dann zum Problem werden, wenn die Notizen sensitive Daten enthalten können. Das müssen nicht gleich Passwörter oder die PIN des Bankkontos sein. Aber nicht jedem wird wohl damit sein, wenn Microsoft, Google & Co. zumindest potentiell die Notizen zum nächsten geschäftlichen Projekt durchscannen oder an eine KI verfüttern können. Oder vielleicht benutzt man die Notizen als eine Art Tagebuch, dessen Inhalt man nicht unbedingt auf Servern irgendwo sehen möchte.

In solchen Fällen kann eine lokale Notiz-App wie Joplin eine Lösung sein. In Joplin schreibt man seine Notizen in der Auszeichnungssprache Markdown. Deren Grundlagen sind schnell gelernt:

Zwei Sterne schließen **fett gedruckten** Text ein, ein Stern schließt _kursiv gedruckten_ ein.

Mit nur wenig komplexerer Syntax kann man Bilder und Links einfügen, Überschriften verschiedenen Grades verwenden, Listen, Codeblöcke, Tabellen und so weiter. Und wenn man sich etwas tiefer in die Materie wagt, kann man mathematische Ausdrücke (KaTeX), chemische Gleichungen (mhchem) oder Diagramme (Mermaid) beschreiben.

Diese Notizen sortiert man in Joplin in Notizbücher ein, wobei ein Notizbuch wieder Unter-Notizbücher enthalten kann. All diese Informationen sind in Joplin auf dem lokalen Gerät gespeichert, landen also nicht in irgendeiner Cloud, solange man das nicht will. Zusätzlich hat man aber die Möglichkeit, mehrere Joplin-Instanzen miteinander zu synchronisieren, beispielsweise mit einem WebDAV-Speicher wie ownCloud oder Nextcloud (was wiederum ein Thema für den DID wäre) als Datenspeicher. Joplin ist für Windows, macOS, Linux, Android oder iOS verfügbar.

Bei uns ist Joplin seit mehreren Jahren im Einsatz, vom wöchentlichen Einkaufszettel über noch vage Ideen für zukünftige Projekte bis zu “work in progress”-Notizen in der täglichen Arbeit. Dabei haben sich mehr als 1.500 Notizen in einer mittlerweile durchaus komplexen Struktur aus Notizbüchern angesammelt, die sich in Joplin aber trotzdem leicht handhaben lassen.

Neben reinen Notizen kann man noch “Aufgaben” anlegen, die man als “erledigt” abhaken kann. Zusätzlich kann man Aufgaben mit einem “Alarm” einen Zeitpunkt zuordnen, zu dem man sie erledigt haben möchte.

Über das, was Joplin von Haus aus bietet, gibt es eine Reihe von Plugins, mit denen man den Funktionsumfang von Joplin erweitern kann. Wir nutzen beispielsweise

  • Agenda für eine Aufgaben-Übersicht in der Seitenleiste
  • Repeating Todos für wiederkehrende Aufgaben
  • Templates zum Erstellen und Einfügen von Vorlagen in Notizen
  • Freehand Drawing für kleine Skizzen, für die sich zum Beispiel Mermaid nicht lohnt
  • YesYouKan für Kanban-Boards

Plugins können einfach aus den Einstellungen von Joplin heraus installiert werden.

Als OpenSource-Projekt ist Joplin kostenlos verfügbar. Aber natürlich ist Unterstützung, ob in Form von Mitarbeit in irgendeinem Bereich oder in Form von ein paar Euro, immer gerne gesehen.

Klingt gut. Und wie geht’s jetzt weiter?

Auf der Homepage von Joplin gibt es genauere Informationen, zum Beispiel über